Ruhestand unter Palmen – Was in der Finanzplanung zu berücksichtigen ist

Immer mehr Rentner zieht es ins Ausland. Bei der Erstellung einer privaten Finanzplanung ist der Lebensabend in Florida, Thailand oder auf Mallorca immer häufiger ein Thema. Dies sollte in der Durchführung der privaten Finanzplanung gut geplant sein, denn sonst drohen teure Fehler.

Millionen Deutsche haben den Traum von warmen Gefilden im dritten Lebensabschnitt – dem Ruhestand. Immerhin haben 229160 Deutsche diesen Traum in 2015 durch die Überweisung der  gesetzlichen Rente wahrgemacht. Die aktuelle Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) weist im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr 4574 zusätzliche Personen aus.

Mittlerweile werden durch die DRV 1,75 Millionen Renten ins Ausland überwiesen, hiervon geht ein großer Teil an Gastarbeiter, welche ihren Ruhestand wieder in der alten Heimat verbringen. Der dritte Lebensabschnitt im Ausland muss dennoch gut vorbereitet sein, denn sonst drohen finanzielle Einbußen an die viele Senioren im Status Quo noch nicht denken. Hierbei kann es sich um Zusatzausgaben oder andere rechtliche Einschränkungen handeln. Nicht zu vergessen: Der lange Arm des Fiskus reicht bis in vielen Ecken der Welt.

Kann die Rente problemlos „mitgenommen“ werden?

Laut der DRV kann grundsätzlich jeder deutsche Ruheständler, der seinen dritten Lebensabschnitt im Ausland verbringen möchte, seine Rentenansprüche auch ins Ausland überwiesen bekommen. Ob die Rente geschmälert durch Abschläge ankommt, hängt jedoch davon ab, ob der Wegzug nur vorübergehend oder dauerhaft ist. Auch die Wahl des künftigen Domizils ist entscheidend, auch die Zusammensetzung der Zeiten in der Rente ist zugrunde zu legen. In der Regel ist bei vielen Rentnern die lediglich einige Monate innerhalb der EU überwintern mit keinen Einbußen zu rechnen. Gleiches gilt für beliebte Alterssitz-Ziele wie die USA oder Thailand.

Wird jedoch der Lebensmittelpunkt in Deutschland komplett aufgegeben und auf Dauer außerhalb der EU verlagert, so kann es u.U. auch anders aussehen. Abschläge sind etwa durch das Fremdrentengesetz (FRG) möglich, sofern die Rente Beitragszeiten aus diesem rechtlichen Themenbereich enthält. Dies betrifft in der Regel deutsche Spätaussiedler oder Vertriebene. Auch der Bezug einer Erwerbsminderungsrente aus nicht medizinischen Gründen kann hiervon betroffen sein. Ein Beratungsgespräch beim Rententräger kann klären, ob die Auswanderungspläne Auswirkungen auf die Rente haben. Die hier erhaltenen Erkenntnisse muss/sollte der private Finanzplaner in seinen Darstellungen entsprechend bewerten und berücksichtigen.

Wohin wird das Geld überwiesen?

Im Rahmen der Erstellung der privaten Finanzplanung sollte geklärt werden in welches Land der Umzug stattfinden soll. Hierbei ist der Rentenversicherungsträger frühzeitig zu informieren und die neue Adresse anzugeben. Grundsätzlich besteht die Wahl, sich die eigene Renten auf ein deutsches Konto oder einer ausländischen Bankverbindung überweisen zu lassen. Wer jedoch sein Geld ins Ausland schicken lässt, muss Kursschwankungen oder Bankgebühren selbst bezahlen. Auslandsrentner sind verpflichtet jährlich eine Lebensbescheinigung einzureichen, anderenfalls wird die Rentenzahlung durch den Rentenversicherungsträger gestoppt.

Spanien hat mit Deutschland einen sogenannten elektronischen Sterbedatenabgleich, daher verzichtet der Rentenversicherungsträger in diesem Fall auf die jährliche Meldeprozedur.

Was ist mit Privatrenten?

Die Leistungen aus privaten Rentenversicherungen (Schicht 3) zahlen immer, unabhängig vom Wohnsitz. Ruheständler mit Riester-Vertrag müssen im Prozess der Beratung darauf hingewiesen werden, dass nur diejenigen, die sich innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) niederlassen, ihre staatliche Förderung behalten dürfen. Zum EWR gehören neben den EU-Staaten noch Liechtenstein, Island und Norwegen.

Welche Rolle spielt das Finanzamt?

In der Beratung sollte die Steuerpflicht, im Rahmen des Rechtsdienstleistungsgesetzes, berücksichtigt werden. Dies gilt nicht nur für die Senioren mit Wunsch eines Wohnsitzes in der Karibik oder Schweiz im dritten Lebensabschnitt – sondern auch für ehemalige Gastarbeiter, die nach Kroation oder Italien zurückgehen. Denn: Seit 2005 werden die Renten Schritt um Schritt stärker besteuert – auch im Ausland. Sprich Senioren die in einem Land leben, dass dem deutschen Fiskus den steuerlichen Zugriff erlaubt, sind hiervon betroffen. Dies kann u.U. für den Auslandsrentner eine kostspielige Angelegenheit sein und die im Rahmen der privaten Finanzplanung erstelle Haushaltsrechnung ordentlich auf den Kopf stellen. Denn Betroffene müssen Ihre Altersbezüge ab dem ersten Euro an versteuern. Der innerhalb Deutschlands übliche Grundfreibetrag entfällt, ebenfalls wie das Ehegattensplitting für Verheiratete.

Ein Ausweg:

Rentner mit Auslandswohnsitz, können den Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen. Dann gelten Steuerfreibeträge und Ehegatten-Splitting wieder. Das hierfür zuständige Finanzamt ist „Neubrandenburg“.

Wie sieht es mit der Kranken- und Pflegeversicherung aus?

Die Krankenversicherung für Rentner, die innerhalb Europas bleiben, kann bestehen bleiben. Doch die neue Heimat bestimmt über die Versorgung, die kann u.U. deutlich schlechter als in Deutschland sein. Auf jeden Fall ist die Versorgung teurer, denn in Frankreich gibt es hohe Selbstbehalte, in Spanien muss der Zahnersatz immer privat gezahlt werden und in Ländern wie der Türkei, Kroatien und  Tunesien gibt es keinerlei Pflegeleistungen.

Eine Beratung in Form von zusätzlicher Absicherung kann durch den Finanzplaner durchaus sinnvoll sein. Außerhalb Europas und den genannten Ländern endet die Kassenabsicherung komplett. Wer in die USA, nach Kanada oder Thailand zieht benötigt hierfür eine private Krankenversicherung mit entsprechendem Leistungspaket.

Fazit:

Der Wegzug im dritten Lebensabschnitt muss sinnvollerweise geplant und strukturiert werden. Nur hierdurch lassen sich teure Fehler vermeiden und der bestmögliche Schutz erreichen.

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